Herz, Verstand und Seele
Liebes Publikum der Bühne Baden,wenn ich auf meine erste Spielzeit als künstlerischer Leiter zurückblicke, erfüllt mich vor allem eines: Dankbarkeit. Dankbarkeit für ein Haus voller Leidenschaft, für ein Publikum voller Begeisterung und für ein Team, das mit großem Mut und Offenheit diesen neuen Weg mit mir gegangen ist. Gemeinsam haben wir den Beginn einer neuen Ära eingeläutet – einer Ära, in der sich Tradition und Erneuerung, Leichtigkeit und Tiefe, Unterhaltung und Haltung begegnen dürfen.
Mit der österreichischen Erstaufführung des Musicals WICKED hat diese neue Reise im Herbst 2025 begonnen. Es war ein Projekt, das wie kaum ein anderes für die Verbindung von emotionaler Kraft, musikalischer Exzellenz und zeitloser Relevanz steht.
Dass Stephen Schwartz, der Komponist dieses Weltmusicals und dreifacher Oscarpreisträger, persönlich nach Baden kam, um unsere Produktion zu sehen, war eine große Ehre.
Sein Lob über die kreative und künstlerisch eigenständige Umsetzung war nicht nur eine Auszeichnung, sondern ein Zeichen: Die Bühne Baden ist ein Haus, das überregional wahrgenommen wird – als Ort, an dem Musiktheater auf höchstem Niveau entsteht.
Mit der vielbejubelten Produktion von Franz Lehárs DIE LUSTIGE WITWE haben wir bewiesen, dass wir das Genre ernst nehmen und die Operette in Baden lebt!
Doch der erfolgreiche Start meiner Ära ist für mich kein Endpunkt, sondern ein Aufbruch. Denn mein Ziel bleibt, der Bühne Baden Profil und Perspektive zu geben – als lebendige Operetten- und Musicalstadt, als Ort der Begegnung und Inspiration. Ich sehe Baden als eine moderne Operettenmetropole, die ihr reiches musikalisches Erbe nicht verwaltet, sondern lebendig hält: mit frischen Ideen, neuen Werken und mutigen Zugängen.
Die kommende Spielzeit steht unter dem Motto „Die Macht der Menschlichkeit“. Dieses Motto ist kein Zufall. Es spiegelt unsere Zeit, unsere Herausforderungen und unsere Sehnsüchte wider. In einer Welt, die zunehmend von Lautstärke und Spaltung geprägt ist, wollen wir auf das Wesentliche zurückführen – auf Empathie, Mitgefühl, Verantwortung. Musiktheater ist dafür ein idealer Resonanzraum: Es kann berühren, bewegen und verbinden, wo Worte allein manchmal nicht mehr reichen.
So widmen wir uns in der neuen Spielzeit Geschichten, die die Kraft des Mitgefühls feiern – auf ganz unterschiedliche Weise:
Mit der Operettenuraufführung EIN KLEINES CAFÉ IRGENDWO mit Musik von Hermann Leopoldi, einem der bedeutendsten Komponisten des Wiener Unterhaltungstheaters, spannen wir einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Dieses Werk ist ein Bekenntnis zur kulturellen Identität dieser Stadt und zu ihrer Operettentradition.
Ein weiteres künstlerisches Ereignis stellt die Produktion von DISNEYS ARIELLE, DIE MEERJUNGFRAU dar. Dass wir die Lizenz für dieses große, international gefeierte Musical erhalten haben, ist eine kleine Sensation – und ein Zeichen des Vertrauens in unsere künstlerische Arbeit. Dieses Werk verbindet märchenhafte Poesie mit einer zutiefst menschlichen Botschaft über Mut, Neugierde und Selbstbestimmung – Themen, die in unser Motto wunderbar hineinklingen.
Mit Lehárs DAS LAND DES LÄCHELNS greifen wir eines der schönsten und emotionalsten Werke der Operettenliteratur auf – ein Stück, das in seiner Musik und Geschichte die Begegnung der Kulturen feiert und zugleich die Zerbrechlichkeit menschlicher Gefühle offenlegt. Und auch unsere Musical-Sparte bleibt lebendig, mutig und vielfältig: Mit ALLE REDEN NUR NOCH VON JAMIE, einer modernen Erfolgsgeschichte über Selbstakzeptanz und Individualität, und mit dem schwarzen Humor der ADDAMS FAMILY, die uns mit liebevoller Exzentrik das Anderssein lehrt, zeigen wir, dass Musiktheater heute viele Gesichter hat.
All diese Werke eint ein Gedanke: Sie stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Sie erzählen von der Kraft des Herzens, vom Mut zur Veränderung, vom Recht auf Eigenständigkeit und vom Glauben an das Gute. „Die Macht der Menschlichkeit“ ist kein leeres Motto, sondern ein Versprechen – an unser Publikum, an unsere Künstlerinnen und Künstler, an dieses Haus.
Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die die Bühne Baden zu dem machen, was sie ist: Dem Ensemble, Chor, Orchester, den technischen Abteilungen, dem künstlerischen und administrativen Team – und Ihnen, unserem Publikum. Ihre Begeisterung, Ihre Treue und Ihre Offenheit sind das Fundament unserer Arbeit!
Gemeinsam wollen wir weiterbauen an einer Bühne, die nicht nur spielt, sondern spricht – zu Herz, Verstand und Seele. Einer Bühne, die Baden als kulturelle Mitte zwischen Wien und der Welt positioniert. Einer Bühne, die Menschen zusammenführt – über Generationen, Sparten und Geschmäcker hinweg.
Ich freue mich auf die Spielzeit 2026 / 27 – auf berührende Abende, auf große Emotionen, auf neue Entdeckungen und auf die Kraft, die entsteht, wenn Kunst und Menschlichkeit einander begegnen.
Mit herzlichem Dank und Vorfreude,
Ihr Andreas Gergen
Künstlerischer Leiter der Bühne Baden