Interview

Every child should have the opportunity to go to the theater at least once!

Interview with cultural mediator Eva Morineau

„Die Pipsis sind die Zuschauer*innen von morgen!“

Sie nennt ihre Schützlinge, die sie ins Stadttheater Baden bringt, liebevoll „Pipsis“ – wie ihre Tochter, obwohl diese schon erwachsen ist.
Im Interview spricht Kulturvermittlerin Eva Morineau über ihre langjährige Tätigkeit an der Bühne Baden und weshalb es so wichtig ist, Schwellenangst vor dem Theaterbesuch gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Kulturvermittlung ist eine relativ moderne Sparte innerhalb der Theaterarbeit. Erzähl uns bitte, wie du Kulturvermittlerin geworden bist und wie dein Einstieg an der Bühne Baden gelaufen ist.

Ich bin eine leidenschaftliche Verehrerin des Theaters. Mich fasziniert, dass es eigentlich nicht viel mehr braucht, als zwei Menschen im selben Raum (eine*n Darsteller*in und eine*n Zuschauer*in) um einen einmaligen, magischen Moment entstehen zu lassen. Dieser Moment, dass eine Person der anderen etwas vorspielt, ist fast so alt wie der moderne Mensch selbst. Spätestens seit den antiken Griechen gehört Theaterspielen zur DNA der westlichen Welt, wenn nicht gar der Menschheit. 
Deshalb bin ich zuversichtlich, dass Theater überleben wird - in welcher Form auch immer. Es wird sich anpassen, verändern, den Zeitgeist widerspiegeln. Aber es wird überleben. Im Gegenteil: Der Umstand, dass Theater live ist, wird in Zeiten von Social Media und anderer reproduktiver Medien kostbarer denn je. 
Ich habe aus Leidenschaft zum Theater in Wien Theaterwissenschaft studiert und dann jahrelang an unterschiedlichen Bühnen als Dramaturgin gearbeitet, meistens als freie Arbeitnehmerin. Auf die Bühne hat es mich nie wirklich hingezogen, mir war lieber, backstage zu arbeiten. 
Nach der Geburt meiner Tochter habe ich dann nach regelmäßigen Arbeitszeiten gesucht und durch eine Freundin erfahren, dass die Bühne Baden eine Kulturvermittlerin zum Aufbau einer neuen Sparte sucht. Ich hab mich beworben – und die Stelle bekommen. Das war vor mittlerweile 17 Jahren. In dieser Zeit waren – was die Kulturvermittlung betrifft - vor allem zwei Wege wichtig für mich: Zum einen, Veranstaltungen für Kinder und Familien zu forcieren und zu gewährleisten, dass für diese Gruppe der regelmäßige Theaterbesuch etwas Selbstverständliches wird. Damit es auch in Zukunft genug interessierte Theaterbesucher*innen gibt. 
Zum anderen aber Kindern aus sogenannten „kulturfernen“ Familien durch Schulveranstaltungen die Möglichkeit zu geben, zumindest einmal Theaterluft zu schnuppern – gemäß unseres Bildungsauftrags, den ich sehr ernst nehme. Denn im besten Falle verbindet man mit dem Theaterbesuch mit der Schule positive Erinnerungen und hat dann später, im Erwachsenenalter, weniger Berührungsängste mit dem Theater. Umgekehrt jedoch verleidet ein negatives Kindheitserlebnis den Zugang zum Theater auf ewig. Denn wer mit Theater „langweilig“ und „verstaubt“ assoziiert, der wird kein Verständnis für diese Kulturform mehr aufbringen. Wir haben als Theater also bei Schulbesuchen nur wenig Möglichkeiten, die wir aufgreifen müssen und nicht vergeuden dürfen. Dem begegnen wir mit alterssspezifischen Schulvorstellungen, Schulprojekten, Führungen mit „Lauretta, der Theaterfee“ für die Kleinsten, Backstage- und Probenbesuchen, Künstlergesprächen und vielem mehr.

Abgesehen von Schulveranstaltungen bietet die Bühne Baden noch weitere Formate für Kinder und Jugendliche. Erzähl uns bitte, wie diese ankommen.

Ob Musiktheater für Kinder und Familien, Kinderkonzerte oder Workshops: Wir bieten ein vielfältiges Programm für jeden Geschmack.
Besonders beliebt sind unsere Community-Projekte. Der SOKO Jugendclub mit Gernot Kranner und die jährlich stattfindenden Sommerworkshops mit Beppo Binder haben sich über die Jahre zu fixen Größen unserer Jugendschiene entwickelt - mit größtenteils Stammpublikum. 
Auch die seit mittlerweile vier Jahren stattfindende play-it Reihe, die Einführungen für Kinder in Kooperation mit der Beyond Bühne, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. 
Für mich ist besonders schön, mitzuerleben, wie Kinder heranwachsen, größer werden und sich weiterentwickeln. Zum Beispiel der eine Bub, der bei uns als SOKO-Kid seine ersten Schritte gemacht hat – und jetzt als Musicaldarsteller auf der Bühne der Volksoper und des Stadttheaters steht. Oder das Mädchen, das bei Beppo als 8jährige ihren ersten Workshop absolviert hat und mittlerweile in verschiedenen professionellen Kindertheatergruppen große Rollen spielt. 
Aber in erster Linie geht es darum, Freude zu haben am Spiel, Gesang und Tanz – und Theater als einen selbstverständlichen Teil des eigenen Lebens anzusehen. 

Zum Schluss die Frage aller Fragen: Was macht für DICH über all die Jahre den Reiz des Theaters aus?

Ganz eindeutig: Das Live-Erlebnis! Zwischen Publikum und Künstler*innen entsteht jeden Abend eine magische Einheit, die unüberbietbar ist!

Was hat dich besonders berührt?

Da gibt es unzählige Momente: Scheinbar extrem coole, gelangweilte Teenager, die dann plötzlich nicht mehr aufhören, Fragen zum Theater zu stellen. 
Das Kind auf der Straße, das ganz laut ruft: Mama, die Frau kenn ich! Die ist vom Theater! 
Der Workshopbesucher, der vor Schüchternheit fast kein Wort hegerausbringt – und dann bei der Abschlusspräsentation so selbstbewusst auftritt, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte Eine junge Zuschauerin, die mit roten Backen gebannt das Geschehen auf der Bühne folgt - und ihrer Mutter zuflüstert: „Sind die echt, Mama?“

 

 

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