Interview

TOOTSIE

Interview mit dem Regisseur Felix Seiler

Rollenspiel mit Hindernissen

 

Felix Seiler inszeniert das Musical TOOTSIE an der Bühne Baden. Im Interview spricht er über knackige Dialoge, den Zauber schnell getakteter Komödien, das Leben auf der Probebühne und darüber, warum seine Inszenierung mehr sein soll als eine bloße Hommage an den berühmten Kinofilm.

 

Wer an TOOTSIE denkt hat automatisch den berühmten Film mit Dustin Hofmann im Kopf. Wie geht man damit als Regisseur um?

Ich gehe damit ganz unbeschwert um: Der Film ist ja von 1982 und ich denke, dass er einem Großteil des Publikums heute gar nicht mehr so vertraut ist – vielleicht abgesehen vom ikonischen Bild mit Dustin Hofmann als Dorothy im roten Glitzerkleid. Aber selbst wenn man eingefleischter Fan des Films ist, bin ich mir sicher, dass einen die Musical-Version umso mehr begeistern wird. Nicht nur die Musik und die Songs bringen frischen Wind in die Story, sondern auch die geschickte Verlegung der Handlung in ein anderes Milieu: im Film wird Michael in der Aufmachung als Dorothy zum Star einer Fernsehserie – im Musical spielt das Ganze im Theater, wo Michael in der Rolle der Amme in einer trashigen Fortsetzung von „Romeo und Julia“, plötzlich zur gefeierten Hauptfigur wird. Und ich bin mir sicher, spätestens, wenn Dominik Hees das erste Mal als Dorothy verwandelt zum Vorsprechen erscheint, wird niemand mehr an den Film denken, sondern voll in der Welt des Musicals TOOTSIE angekommen sein. 

Was liegt Ihnen bei der Arbeit an diesem Stück besonders am Herzen? Worauf legen Sie bei der Regie von TOOTSIE am meisten Wert?

TOOTSIE ist ein großes Geschenk für ein spielfreudiges Ensemble und seinen Regisseur. Nicht nur sind die Dialoge knackig, pointiert und mit herrlichem Humor geschrieben, auch die Figuren werden allesamt so erzählt, dass sie, selbst wenn sie komisch sind und wir über sie lachen müssen, trotzdem wirkliche Menschen bleiben, sie alle ein Schicksal haben und uns berühren. TOOTSIE ist keines der Stücke, bei dem es darum geht, mit Massenszenen oder beeindruckenden Bühneneffekten, die Zuschauer in seinen Bann zu schlagen, sondern es stehen in jeder Szene ganz klar die Figuren im Mittelpunkt. Deshalb finde ich TOOTSIE auch ideal für so ein schönes, kleineres Theater wie in Baden, wo das Publikum gefühlt nicht kilometerweit von der Bühne entfernt sitzt, sondern man auch aus dem Rang die Gesichter der Darsteller und ihr Spiel genau beobachten kann. Ich lege besonderen Wert darauf, dass sich deren Spielfreude und die Faszination an den Figuren auf das Publikum überträgt - und es viel und gut zu lachen geben soll. 

In TOOTSIE geht es um große Träume und Erfolge, aber auch um persönliche Enttäuschungen und tiefe Krisen. Schwere Themen für ein Musical, oder?

Wenn das in Form eines bitteren Sozialdramas daherkommen würde, wäre das sicher so. Das Tolle an TOOTSIE ist aber, dass es eben eine lockere, schnell getaktete Komödie ist, in der ein Lacher auf den anderen folgt und diese ernsten Themen trotzdem immer wieder ohne erhobenen Zeigefinger den Rahmen für die Geschichte bilden: Die Hauptfigur Michael ist ein arbeitsloser, desillusionierter Schauspieler, der durch seine Misserfolge eigentlich in die Depression abrutschen müsste und als letzte Rettung auf die absurde Idee kommt, als Dorothy verkleidet zu einem Vorsprechen zu gehen – und genau auf diese Weise paradoxerweise die Rolle und den Erfolg bekommt, den er als Michael nie haben konnte. Seine Ex-Freundin Sandy singt im Stück einen Song, der eigentlich zutiefst deprimierend und traurig sein müsste: sie beschreibt, wie sie vor jedem neuen Vorsingen so aufgeregt ist und sich durch Erwartungsdruck und aus Angst vor Konkurrenz selbst sabotiert, so dass dann eigentlich alles schon vorbei ist, bevor es überhaupt angefangen hat und sie deshalb natürlich nie an eine Rolle kommt. Ihr Song „Ich weiß schon was geschehen wird“ gehört aber zu einer der komischsten Nummern des ganzen Stücks, wenn sie in atemberaubender Geschwindigkeit ihre eigene Panik und ihr eigenes Versagen nachspielend und kommentierend durchdekliniert. Solche wunderbaren Momente durchziehen das ganze Musical und geben der Komödie etwas sehr Ehrliches und eine natürlich ausbalancierte Tiefe. 

TOOTSIE wird oft in Retro-Optik auf die Bühne gebracht. Sie entscheiden sich bewusst dagegen und legen das Stück im Heute an; warum?

Wir haben uns als Team schnell dafür entschieden, dass TOOTSIE als Musical mehr sein soll und kann als eine bloße Hommage an den Film und dass es auch sonst keinen Grund gibt, 2026 diese Geschichte unbedingt zurück in die 1980er-Jahre zu verlegen. Menschen, die sich für einen Lebenstraum aufopfern und dafür Rückschläge und Enttäuschungen einkassieren und unter schlechten, teils erniedrigenden Bedingungen dafür leben und arbeiten, gibt es heute vielleicht sogar mehr als damals. In TOOTSIE geht es um den großen Traum einmal gefeiert auf einer (Broadway-)Bühne zu stehen und diesen „Ich hab es endlich geschafft“-Moment zu erreichen. Aber in den ruhigeren Momenten des Stücks wird deutlich, dass das ganz zentrale Lebensfragen sind, die nicht nur mit der Theaterwelt zu tun haben, sondern ganz universal jedem und jeder zu jeder Zeit begegnen werden. 

„Das Leben ist eine Bühne“: Würden Sie das unterschreiben? Oder ist die Welt des Theaters ein eigener Mikrokosmos?

Wir haben bei der Suche nach einem Konzept lange herumexperimentiert und uns kamen die ersten Entwürfe, in denen wir versuchten, das New York des Stücks auf der Bühne nachzubauen alle künstlich und wie eine leere pappige Behauptung vor. Bis wir plötzlich auf die Idee kamen, das Stück durch die Augen seiner Figuren zu sehen: Menschen, die von ihrer Leidenschaft getrieben mehr oder weniger den größten Teil ihres Lebens im Theater, genauer gesagt auf Bühnen und noch genauer: auf Probebühnen verbringen. Die Probebühne ist wirklich eine Welt in sich, ein Mikrokosmos, wo aus ein paar trostlosen Stellwänden und Holzpodesten plötzlich durch den Zauber des Theaterspiels ein ganz fantastischer Ort entstehen kann, der im nächsten Moment wieder verschwunden ist. Die Hauptfiguren des Stücks sind so besessen vom Theater, dass sie die Welt gar nicht mehr anders sehen können: das Leben wird zur Probebühne für eine Aufführung, die auf sich warten lässt. Die Bausteine einer Probebühne erschaffen deshalb in unserer Version die verschiedenen Orte des Stücks in immer wieder neuer Anordnung und erzählen so gleichzeitig etwas über die Kraft und den Zauber des Theaters, wo eine dürftig zusammengezimmerte Treppe in einem Moment genau das sein kann, aber im nächsten Moment mit Licht, Nebel und natürlich der Macht der Fantasie zu einer leuchtenden, imposanten Showtreppe werden kann. 

    A person in a sparkly red dress with pearls and curls shaves their face against a red background.
    Musical Premiere
    Fr, 24. July 2026
    19:30

    Tootsie

    Musical
    Stadttheater
    85 | 77 | 69 | 59 | 50 | 42 | 26 | 11
    A person in a sparkly red dress with pearls and curls shaves their face against a red background.
    Musical
    Tu, 28. July 2026
    19:30

    Tootsie

    Musical
    Stadttheater
    76 | 69 | 61 | 54 | 45 | 37 | 23 | 10
    A person in a sparkly red dress with pearls and curls shaves their face against a red background.
    Musical
    Th, 30. July 2026
    19:30

    Tootsie

    Musical
    Stadttheater
    76 | 69 | 61 | 54 | 45 | 37 | 23 | 10
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    Musical
    Sa, 1. August 2026
    18:00

    Tootsie

    Musical
    Stadttheater
    76 | 69 | 61 | 54 | 45 | 37 | 23 | 10
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    Musical
    Tu, 4. August 2026
    19:30

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    We, 5. August 2026
    19:30

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    Fr, 7. August 2026
    19:30

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    Tu, 11. August 2026
    19:30

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    Tu, 18. August 2026
    19:30

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    Fr, 21. August 2026
    19:30

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    Sa, 22. August 2026
    15:00

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    Tu, 25. August 2026
    19:30

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    We, 26. August 2026
    19:30

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    Musical
    Fr, 28. August 2026
    19:30

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    Musical
    Sa, 29. August 2026
    19:30

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